{"id":598,"date":"2017-11-24T19:50:48","date_gmt":"2017-11-24T18:50:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gelenk24.de\/portal\/?p=598"},"modified":"2021-02-18T12:36:37","modified_gmt":"2021-02-18T11:36:37","slug":"sarkopenie-und-was-man-dagegen-tun-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gelenk24.de\/portal\/sarkopenie-und-was-man-dagegen-tun-kann\/","title":{"rendered":"Sarkopenie und was man dagegen tun kann"},"content":{"rendered":"<h2>Sarkopenie und was man dagegen tun kann<\/h2>\n<h3>Ein aus medizinischer Sicht zunehmendes Problem existiert gar nicht im deutschen Kassenabrechnungssystem &ndash; Sarkopenie: Die prim&auml;r altersbedingte Abnahme der Muskelmasse &ndash; und was man dagegen tun kann.<\/h3>\n<p>Wir altersm&auml;&szlig;ig schon etwas Fortgeschrittenen sch&uuml;tteln gern mal den Kopf bei dem Hype um K&ouml;rperkult junger Menschen, ihrem Streben nach Sixpack und Traumfigur, weil wir wissen, dass in unserem Kulturraum letztlich nicht Bizeps und Latissimus, sondern Verstand und Sensibilit&auml;t zu beruflichem Erfolg und privatem Lebensgl&uuml;ck f&uuml;hren. Das Fatale daran ist, das wir damit unsere eigene Bequemlichkeit begr&uuml;nden, w&auml;hrend die anderen genau das tun, was wir eigentlich tun sollten &ndash; die Muskeln trainieren!<\/p>\n<p><strong>Warum soll man sich qu&auml;len?<\/strong><\/p>\n<p>So ungef&auml;hr ab dem 30. Lebensjahr beginnt der K&ouml;rper heimlich, still und leise damit, Muskeln ab- und Fettgewebe aufzubauen &ndash; ein Alterungsprozess. Noch immer kennen wir nicht die genauen Ursachen und Zusammenh&auml;nge. Wir wissen jedoch, hat dieser Prozess erst einmal begonnen, verlieren wir ca. 1 Prozent, ab ca. 50 Jahren sogar 1,5 &ndash; 2 Prozent unserer Muskulatur pro Jahr. Folglich nimmt unser Muskelbestand zwischen dem 30. Und dem 80. Lebensjahr um 50-70 Prozent ab &ndash; es sein denn, man tut etwas dagegen.<\/p>\n<p><strong>Packen Sie es an!<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, worauf ich hinaus will. Zwei bis dreimal pro Woche eine Stunde Sport, Treppen laufen statt Fahrstuhl, Fahrrad statt Auto fahren, Laufen, Schwimmen, ein paar leichte Hanteln, eine Fitnessmatte. Bewegen kann man sich &uuml;berall. Man muss es nur wollen! Und es ist nie zu sp&auml;t damit anzufangen! Wenn Sie jetzt sagen, dass wei&szlig; ich doch schon alles, dann erlauben Sie die Frage: &bdquo;Beherzigen Sie es auch?&ldquo;<\/p>\n<p><strong>Nicht wegen der Optik<\/strong><\/p>\n<p>Mein Thema ist nicht &bdquo;Gutes Aussehen im Alter&ldquo;, wir reden hier &uuml;ber gesunde und kr&auml;ftige Muskeln im fortgeschrittenen Alter, die den K&ouml;rper im Gleichgewicht halten, ihm einen aufrechten Gang erm&ouml;glichen und ihn tief atmen lassen, damit gen&uuml;gend Sauerstoff das Gehirn durchblutet kann. All das h&auml;ngt zusammen. Verlieren die Muskeln an Quantit&auml;t und Qualit&auml;t, so erh&ouml;ht sich das Sturzrisiko&nbsp; massiv. Der Mensch wird tr&auml;ge, die Atmung flacher und die Pumpfunktion des Herzens nimmt ab. Auf der Abw&auml;rtsspirale des Alterns wird so rasch Fahrt aufgenommen.<\/p>\n<p>Der deutsche Kongress f&uuml;r Orthop&auml;die und Unfallchirurgie (DKOU) hat genau die Thematik &bdquo;Bewegung ist Leben&ldquo; in das Zentrum seiner diesj&auml;hrigen Vortr&auml;ge gestellt. Studien belegen, dass &auml;ltere Menschen innerhalb 10 Tagen Aufenthalt im Bett 1,5 Kilogramm Muskelmasse abbauen! Und das Risiko solcher Krankenhausaufenthalte steigt angesichts der Tatsache, dass wir immer l&auml;nger leben, gewaltig an.<\/p>\n<p>&Auml;ltere Menschen, die unter fortschreitender Abnahme von Muskelmasse leiden,<\/p>\n<ul>\n<li>sind wesentlich labiler und anf&auml;lliger f&uuml;r akute Infekte;<\/li>\n<li>sind einem drastisch erh&ouml;hten Risiko f&uuml;r St&uuml;rze und damit verbundenen Verletzungen ausgesetzt;<\/li>\n<li>entwickeln h&auml;ufig gleichzeitig eine Osteoporose;<\/li>\n<li>ben&ouml;tigen nach einer Erkrankung eine fast doppelt so lange Regenerationszeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Schlimme ist, zu viele Menschen nehmen das alles einfach so hin &ndash; Alter, ist eben so.<\/p>\n<p><strong>Nein, Alter ist nicht so!<\/strong><\/p>\n<p>Es handelt sich dabei um eine therapierbare Gesundheitseinschr&auml;nkung und es gibt sogar einen medizinischen Begriff daf&uuml;r: Sarkopenie. Damit bezeichnet man den mit fortschreitendem Alter zunehmenden Abbau von Muskelkraft und die damit einhergehenden funktionellen Einschr&auml;nkungen des &auml;lteren Menschen. Die Genese der Sarkopenie h&auml;ngt neben genetischen Faktoren auch vom Ausma&szlig; der k&ouml;rperlichen Aktivit&auml;t sowie der Ern&auml;hrung ab. So beg&uuml;nstigt z.B. eine zu geringe Zufuhr von Energie, Eiwei&szlig; und Mikron&auml;hrstoffen die Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft. Nach Sch&auml;tzungen sind etwas 25-30 Prozent aller &Uuml;ber-75-J&auml;hrigen davon betroffen.<\/p>\n<p>Das Fatale daran ist, es gibt nicht ausreichend genaue Zahlen, denn die Bedeutung dieses Prozesses f&uuml;r unsere alternde Gesellschaft wird v&ouml;llig untersch&auml;tzt. Zum einen spielt Sarkopenie in der medizinischen Ausbildung kaum eine Rolle, zum anderen ist die Motivation unter den Medizinern, Patienten in diese Richtung zu beraten und zu behandeln nahe Null, weil es daf&uuml;r keine Abrechnungsziffer gibt! Das Gleiche gilt f&uuml;r die Ern&auml;hrungsberatung im Alter zur Vermeidung von Mangelern&auml;hrung.<\/p>\n<p>Das macht beide Themen, die im &Uuml;brigen oft eng miteinander verkn&uuml;pft sind, aber nicht weniger brisant, zumal sie in Verbindung mit anderen Erkrankungen oder Operationen signifikant sowohl eine h&ouml;here Komplikationsrate als auch ein erh&ouml;hte Sterblichkeit beg&uuml;nstigen. Trotzdem wird in Deutschland kaum dar&uuml;ber diskutiert.<\/p>\n<p>In den Niederlanden ist man da schon deutlich weiter. Dort ist das Screening auf Mangelern&auml;hrung bei Krankenhauspatienten mittlerweile Pflicht. Wir sollten an dieser Stelle unbedingt nachziehen. Noch viel wichtiger w&auml;re es jedoch, durch fr&uuml;hzeitige Beratung und Motivation Alterserscheinungen wie Sarkopenie und Mangelern&auml;hrung vorzubeugen.<\/p>\n<p><strong>Information und Motivation an erster Stelle<\/strong><\/p>\n<p>Wir als Fach&auml;rzte f&uuml;r Orthop&auml;die kennen das Problem und sehen uns in der Pflicht, lange bevor andere therapeutische Ma&szlig;nahmen zur Erhaltung von Lebensqualit&auml;t oder gar das Skalpell zum Einsatz kommen, unsere Patienten pr&auml;ventiv zu beraten und zu motivieren.<\/p>\n<p>Tun Sie sich etwas Gutes und nehmen Sie diese Chance rechtzeitig wahr, denn es gibt inzwischen sehr spezielle Trainingsangebote f&uuml;r &auml;ltere Menschen, die deren k&ouml;rperlichen Zustand und deren Leistungsf&auml;higkeit besonders ber&uuml;cksichtigen (z.B. das Stark-durch Langsam-Training SDL). Und sch&uuml;tteln Sie k&uuml;nftig nicht den Kopf, wenn junge Leute &uuml;ber ihr &bdquo;Workout&ldquo; sprechen. Auch die werden irgendwann alt &ndash; und sie werden deutlich &auml;lter als wir. Und dann brauchen sie ihre Muskeln bzw. das was dann davon &uuml;brig ist.<\/p>\n<p><em>Dr. A. Chinta<\/em><\/p>\n<p><code>Diesen Beitrag haben gesehen 4 Besucher.<\/code><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sarkopenie. So ungef\u00e4hr ab dem 30. Lebensjahr beginnt der K\u00f6rper heimlich, still und leise damit, Muskeln ab- und Fettgewebe aufzubauen \u2013 ein Alterungsprozess. Noch immer kennen wir nicht die genauen Ursachen und Zusammenh\u00e4nge. Wir wissen jedoch, hat dieser Prozess erst einmal begonnen, verlieren wir ca. 1 Prozent, ab ca. 50 Jahren sogar 1,5 &#8211; 2 Prozent unserer Muskulatur pro Jahr. Folglich nimmt unser Muskelbestand zwischen dem 30. Und dem 80. 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