Was hilft bei Arthroseschmerzen?

Schmerzkreislauf durchbrechen, Aktivität steigen

Schmerzen sind Signale, die man nicht unterschätzen sollte. Weisen sie doch darauf hin, dass eine Erkrankung oder Verletzung im Körper besteht. Somit sollte man immer auch schauen, ob und wie man die Schmerzursache behandeln kann. Manchmal muss der Schmerzkreislauf erstmal unterbrochen werden, damit man aktiv werden kann. Im schlimmsten Fall kann sich der Schmerz nämlich sonst chronifizieren und besteht eigenständig, also losgelöst von der eigentlichen Erkrankung.

Degenerativer Knorpelabbau verläuft schleichend und führt abhängig vom Grad der Erkrankung meist zu schubartigen Schmerzzuständen. Während sie in den frühen Stadien eher bei Belastungen auftreten, sind für fortgeschrittene Arthrose-Stufen Ruheschmerzen kennzeichnend. Dabei ist es nicht das geschädigte Knorpelgewebe, von dem der Schmerz ausgeht, da es keine Blutgefäße und Nerven hat. Es sind die Nerven von Knochenhaut, Gelenkkapsel und anderem Gewebe, die gereizt werden.

In den Schmerzphasen neigen viele Betroffene dazu, das arthrotische Gelenk zu schonen. Keinesfalls wollen sie weiteren oder neuen Schmerz provozieren und verfallen dann in eine Schonhaltung. Doch (moderate) Bewegung ist in vielerlei Hinsicht auch oder eben gerade bei Gelenkverschleiß wichtig. Sie sorgt unter anderem dafür, dass stützende Muskulatur nicht abgebaut wird und regt die Produktion von Gelenkschmiere an. Außerdem ist Aktivität wichtig, um Übergewicht zu reduzieren oder zu verhindern, was wiederum die Gelenkgesundheit begünstigt. Weitere negative Folgen einer Schonhaltung können schädliche Fehlhaltungen sein. Daher ist es von Vorteil, mit einer passenden Schmerztherapie die Voraussetzungen für gelenkschonende Aktivität zu schaffen. Unter einer Vermeidung von Aktivität leiden im Übrigen häufig auch soziale Kontakte, sodass der psychosoziale Aspekt einer schmerzbedingten Schonhaltung nicht vernachlässigt werden sollte.

Es muss unterschieden werden zwischen Schmerz als Symptom einer Erkrankungen und einer eigenständigen Erkrankung. Letzteres, der chronische Schmerz, kann aus dem Akutschmerz hervorgehen, wenn er zu lange besteht. Daher sollte man begleitend zu der ursächlichen Therapie – bei einer Arthrose ist die nur bedingt möglich – oder als Wegbereiter zu dieser in vielen Fällen auch eine gesonderte Schmerztherapie durchführen. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die vielfach auch in Kombination miteinander im Rahmen einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie angewendet werden. Um für den jeweiligen Patienten das passende Konzept zu erarbeiten, ist häufig unabhängig von den Untersuchungen zur Feststellung des Arthrosegrades eine Schmerzdiagnostik nötig. In diesem Rahmen werden die Patienten beispielsweise gebeten, die Schmerzintensität auf einer Schmerzskala einzuordnen. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, ein Schmerztagebuch zu führen oder entsprechnende Informationen in einem Schmerzfragebogen anzugeben.

Arthrose-Medikamente; zur Behandlung bei aktuten Arthroseschmerzen werden hauptsächlich drei Medikamentengruppen genutzt: schmerzlindernde Mittel (Analgetika) entzündungshemmende Mittel (oftmals Kortison) und solche, die sowohl entzündungs- als auch schmerzlindernd wirken (nichtsteroide Antirheumatika). Analgetika werden genutzt, wenn das Gelenk nicht entzündet ist. Sie wirken allein gegen die Schmerzen und nicht bei Entzündungen. Verabreicht werden sie häufig in Form von Paracetamol, Metamizol, Flupirtin oder Opioden. Besonders Paracetamol war lange Zeit bei leichten bis mäßigen arthrosebedingten Schmerzen üblich. Sein guter Ruf ist nicht nur wegen möglichen Nebenwirkung wie einer Leberschädigung bei zu großen Einnahmemengen in letzter Zeit zweifelhaft. Auch der Nutzen für Patienten mit Knie- oder Hüftarthrose wurde nun durch eine Meta-Analyse infrage gestellt. Im Gegensatz zu Paracetamol schnitt Diclofenac, ein Medikament, das zu den sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählt, bei der Analyse gut ab. Dieses kann sowohl systematisch, also in Tablettenform, als auch lokal in Form von Salben verabreicht werden. Ein Grund, warum ein Analgetikum wie Paracetamol häufig gegenüber anderen Medikamenten bevorzugt wurde , ist, dass es weniger Risiken für Nebenwirkungen im kardiovaskulären und gastrointestinalen Bereich gibt. Diese sind zwar bei den nichtsteriodalen Antirheumatika erhöht. Ihr Vorteil ist aber, dass sie neben der Schmerzbekämpfung auch eine entzündungshemmende Wirkung haben. Zusätzlich ist es positiv, dass sie relativ schnell wirken. Aus diesem Gründen werden sie häufig in der Arthrosetherapie eingesetzt. Die Nebenwirkungen können bei Bedarf mit Magenschutzmitteln verringert werden. Bei besonderen Risikopatienten stellt eine weitere Wirkstoffgruppe der NSAR, die sogenannte Coxibe, in manchen Fällen eine Alternative dar.

Kortisonspräparate, die eine große Wirkung auf entzündliche Prozesse haben, spielen mittlerweile in der Arthrose-Therapie eher eine Nebenrolle. Aufgrund der starken Nebenwirkungen sollten Kortisoninjektionen auch in ein stark entzündetes Gelenk allerhöchstens viermal im Jahr erfolgen. Die einzelnen Medikamente unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer Wirkungszeit und müssen daher unterschiedlich oft am Tag eingenommen werden. Auch die Kombinationsmöglichkeiten sind verschieden. So können Opioide gut mit NSAR koordiniert werden. Jede Einnahme oder Dosierungsänderung sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Da für alle Medikamente gilt, dass sie aufgrund von eventuellen Nebenwirkungen möglichst nicht dauerhaft eingenommen werden sollten, ist es ratsam, die Schmerzlinderung mit entsprechenden ursächlichen Maßnahmen zu nutzen.

Vielen Patienten helfen begleitend zu Schmerzmitteln oder auch als alleinige Maßnahme bei geringeren Beschwerden physikalische Anwendungen wie z.B. Wärme- oder Kältetherapie. Dabei sollte beachtet werden, dass Wärme nicht bei Entzündung eingesetzt werden sollte, da sie Durchblutung anregt. In diesem Fall legt man eher kalte Umschläge an. Außerdem gibt es zu der medikamentösen Therapie Alternativen, die für den ein oder anderen Patienten auch infrage kommen, so beispielsweise Gelenkinjektionen mit Mitteln, die die Gelenkflüssigkeit unterstützen wie Hyaluronsäure oder die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der Wechselstromreize die Schmerzen lindern sollen.

Aus dem Bereich der Naturmedizin werden z.B. Wirkstoffe der Teufelskralle und Brennnessel genutzt. Nährstoffe wie z.B. Bio-Curcumin aus der Gelbwurzel ist ein Antioxidans, das Gewebe und Zellen schützt und gesund hält und zugleich eine entzündungshemmende Wirkung und Unterstützung auf das Knorpelgewebe der Gelenke hat. Wichtig hierbei ist die sogenannte Bioverfügbarkeit durch eine patentierte Form der Zurückführung von nativen Kurkumaölen. Zudem ist die bekannte Grünlippmuschel in ihrem Urzustand belassener Form, reich an Glykosaminoglykanen, wozu auch Glucosamin und Chondroitinsulfat gehören, und zudem das breite Spektrum an Omega-3-Fettsäuren. Sie verfügt zudem über einen sehr hohen Omega-3-Fettsäurengehalt, wobei es sich nicht nur um Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) handelt, sondern auch um die selteneren Fettsäuren Eicosatetraensäure (ETA), Eicosatriensäure (ETE) und Docosatetraensäure (DTA). Diese Nährstoffe zudem in flüssiger Form optimieren die Aufnahme im Organismus. Nebst dieser Vielzahl schmerzlindernder und entzündungshemmender Substanzen, ist dabei die „Anwendung“ sicher und nebenwirkungsarm. Aber auch hier ist eine Dauer-Einnahme erforderlich und es bedarf mehrerer Wochen bis die Nährstoffe im Körper angereichert sind.

Strahlentherapie; zu den Alternativen einer medikamentösen Schmerzbehandlung zählt unter anderem die Therapie mit Röntgenstrahlen, auch Röntgen-Reizbestrahlung oder Orthovolttherapie genannt. Dabei werden niedrig dosierte Röntgenstrahlen – im Vergleich zur Tumortherapie – genutzt. Es werden meist mehrere Sitzungen durchgeführt, bei denen die Bestrahlung nur wenige Sekunden dauert. Die Strahlen regen einerseits die Durchblutung an und hemmen auf der anderen Seite überschießende Immunreaktionen und Gewebebildung sowie die Aktivität der Schmerznerven. Bis sich bei dieser Therapie eine Schmerzlinderung einstellt, können Wochen bis Monate vergehen und unter Umständen kann sich zunächst eine Erstverschlimmerung einstellen. Die dann folgenden Ergebnisse sind aber gut und die Therapie bringt Arthrosepatienten eine Erleichterung ihrer Beschwerden. Eine ursächliche Behandlung ist dies aber auch nicht, so dass in Bezug auf die Grunderkrankung, die Arthrose, weitere Maßnahmen ergriffen werden sollten.

Denervierung; eine Denervierung ist eine Maßnahme, bei der die schmerzleitenden Nerven durchtrennt und damit daran gehindert werden, die entsprechenden Informationen ans Gehirn weiterzuleiten. Für diese Durchtrennung gibt es verschiedene Methoden, die in der Regel minimalinvasiv erfolgen. So werden beispielsweise bei Beschwerden am Illiosakralgelenk unter anderem spezielle Hitze- oder Kältesonden zur Verödung der Nerven eingesetzt. Auch bei der Facettengelenkarthrose, der Knorpeldegeneration der kleinen, die Wirbel verbindenden Gelenke, werden thermische Verfahren häufig eingesetzt, um die Schmerzleitung der Nerven zu unterbinden. Bei der Kniegelenksdenervation werden die Schmerznerven unter Mikroskopsicht aufgesucht und mechanisch mit einem Skalpell ausgeschaltet. Neben der Ausschaltung der Nervenleitung mittels Durchtrennung oder Verödung gibt es auch Verfahren, bei denen an die verantwortlichen Nerven schmerzlindernde und abschwellende Medikamente mit Depotwirkung gespritzt werden.

 

Über den Autor

Dr. A. Rümelin
Dr. A. Rümelin
Facharzt für Orthopädie
Unfallarzt-Sportmedizin-Chirotherapie

Orthopädisches Zentrum Frankfurt
Scheffelstraße 18
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