FragenKategorie: Gelenkschmerz & KrankheitsbilderMuss ich meine Rheuma Medikamente vor einer Gelenk OP absetzen?
Avatar Karsten fragte vor 1 Jahr

Muss ich meine Rheuma Medikamente vor einem künstlichen Gelenksersatz wie zum Beispiel Kniegelenk absetzen? Was ist bei Notfalloperationen zum Beispiel am Bauch?

1 Antworten
Dr. D. Hedrich Dr. D. Hedrich Mitarbeiter beantwortet 1 Jahr vor

Hallo
Als Rheuma Patient müssen Sie sich mit ihrem Operateur zusammensetzen und ihre Medikamente besprechen. Idealerweise sind Sie in Behandlung bei einem operierenden orthopädischen Rheumatologen, der damit tagtäglich konfrontiert wird. Einige Medikamente müssen gewisse Tage, teilweise sogar Wochen vorher abgesetzt werden. Sollten Sie einmal in einem Notfall operiert werden müssen spricht unmittelbar nichts gegen eine Beibehaltung ihrer Medikamente. Bei Eingriffen im Bauchraum, die über einen Bauchschnitt durchgeführt werden sollten Sie sich auf jeden Fall mit ihrem Rheumatologen und dem behandelnden Chirurgen absprechen. Insbesondere Medikamente wie zum Beispiel Leflunomid oder  Arava, müssen zur besseren Wundheilung abgesetzt werden. Bei eitrigen Entzündungen müssen alle das Immunsystem beeinflussende Medikamente möglichst abgesetzt werden.
Folgende Empfehlung gilt für große Operationen im orthopädischen Bereich:

  • bei laufender Kortisoneinnahme ( z.Bsp Prednisolon) sollte die Dauerdosis um die Operation beibehalten werden, eine Dosiserhöhung unmittelbar nach der Operation ist zu vermeiden.
  • Methotrexat kann unverändert fortgeführt werden, bei Dosis über 25-30mg/Woche ist eine Dosisreduktion zu erwägen.Eine schlechtere Wundheilung ist nicht zu erwarten.
  • Chloroquin, Hydroxychloroquin und Sulfasalazin können durchgehend eingenommen werden.
  • Leflunomid (Arava®) kann bei niedrigem Infektionsrisiko und kleinen Operationen weiter angewendet werden, bei erhöhtem Risiko sollte es mit Cholestyramin (3 x 8g/Tag) oder Aktivkohle (4 x 5g/Tag) über eine Dauer von 5 Tagen vorher ausgewaschen werden.
  • Ciclosporin A, Mycophenolat-Mofetil, Azathioprin und Anakinra sollten 1-2 Tage vor der OP abgesetzt werden.
  • TNF α-Blocker sollten mindestens 2 Halbwertszeiten, d.h. Etanercept ( Enbrel, Benepali) 9 Tage, Infliximab (Remicade®, Inflectra® , Remsima®)16-20 Tage, Golimumab ( Simponi®) 24 Tage, Adalimumab ( Humira®) und Certolizumab (Cimzia ®) 28 Tage vor der OP abgesetzt werden.

In den ersten 6 Monaten nach Beginn einer Therapie mit  Biologika  (= Antikörper) wird von einer erhöhten Infektionsrate ausgegangen.
Ein geplanter Protheseneingriff unter Tocilizumab (RoActemra®) sollte am Ende des Applikationsintervalls geplant werden, d.h. 2 Wochen nach der Gabe, unter Abatacept (Orencia®) erst 4 Wochen danach.
Für eine Notfall-OP stellt deren Einnahme keine Kontraindikation dar. Unter Rituximab (MabThera®) sollte eine operative Therapie so spät als möglich nach der letzten Gabe erfolgen, empfohlen wird mindestens 2 Monate zu pausieren, bei dringender Indikation stellt es aber keine Kontraindikation zur OP dar.
Erfolgt eine Unterbrechung der Medikamenteneinnahme zur OP, wird für alle Substanzen bei fehlenden Anzeichen einer Infektion und unauffälligen Wundverhältnissen eine Wiederaufnahme der Medikamententherapie 2 Wochen postoperativ empfohlen.
Ihr Dr. Dirk Hedrich

Literatur: Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zur perioperativen Vorgehensweise unter Therapie mit DMARDs und Biologika bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Stand 2013; Autoren: K.Krüger, K.Albrecht, S.Rehart, R.Scholz und die Kommission Pharmakotherapie der DGRh

Schlagworte zu den Fragen : Gelenk OP, Kniegelenk, Künstliches Kniegelenk, Rheuma Medikamente